Wie viele waren wirklich bei der 24. Pegida in Dresden?

Gestern versammelten sich laut Polizeibericht der PD Dresden ca. 3000 Pegida-Anhänger auf dem Schlossplatz in Dresden. Der anschließende Demozug bewegte sich entlang der Elbe.

Wir und auch andere Beobachter haben in der Vergangenheit wiederholt festgestellt, dass die Schätzungen der PD Dresden deutlich höher ausfallen als die tatsächlichen Teilnehmerzahlen. Siehe dazu z.B. unseren Bericht von der 19. Pegida,  bei der wir von 6000 Teilnehmern ausgehen und damit unter der von der PD Dresden angegebenen Zahl von 7700 liegen.

Es ist also unbestritten, dass die Angaben der PD Dresden mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden müssen. Dies scheint nun auch eine Gruppe von Studenten der TU Dresden, welche sich selbst als Studentengruppe "Durchgezählt" bezeichnet, dazu motiviert zu haben, eine eigene unabhängige und an wissenschaftlichen Standards orientierte Schätzung der Teilnehmerzahlen der 24. Pegida vorzunehmen.

Die Studierenden filmten dazu den gesamten Demozug von der Brühlschen Terasse herab:

Diese erhöhte Position und die hohe Qualität des Videobilds ermöglichten der Studentengruppe "Durchgezählt" die folgende elegante und kreative Auswertung des Materials vorzunehmen:

  1. Aus dem Film, der ja selbst immer nur eine Sequenz von einzelnen Frames darstellt, wurde eine zeitlich geordnete Folge von 31 Bildern entnommen. Diese bilden überlappend den gesamten Demonstrationszug ab.
  2. Jedes Bild wurde einzeln ausgezählt. Dabei wurde stets beachtet, dass Personen aus dem Vorbild nicht noch einmal erfasst werden.

Diese Vorgehensweise ergab eine Zählung von 1462 Personen.

Im Anschluss an Ihren Bericht lädt die Studentengruppe die Öffentlichkeit zur kritischen Prüfung ein - eine Einladung, welche wir im Sinne des Gedankens der Replikation und Reproduktion wissenschaftlicher Erkenntnisse nur gerne annehmen. Hier unser Resultat:

Wir kommen zu einer Schätzung von 1488 Personen.

In unserer Auswertung des von der Studentengruppe frei verfügbar gemachten Materials sind wir dabei wie folgt vorgegangen:

  1. Aufgrund des anfänglich sehr breiten Demozuges verbietet sich ein direktes Zählen, da dies ohne enorme Konzentration kognitiv nicht zu bewältigen ist. Durch den ständigen Wechsel des Zählfokus verliert man zu leicht den Überblick darüber, welche Person schon gezählt wurde und welche nicht.
  2. Um diese Schwierigkeit zu vermeiden wurde das Video insgesamt dreimal ausgezählt. Zuerst wurden nur die Personen gezählt, welche sich auf der Fahrbahn bewegten: 1034 Personen. Dann wurden diejenigen Personen erfasst, welche sich auf dem oberen Fußweg bewegten: 174. Abschliessend wurden die Personen gezählt, welche über den unteren Fußweg liefen: 280.

Damit bestätigen sich die Zahlen der Studentengruppe. Dass sich dabei minimale Abweichungen zwischen den Ergebnissen zeigen, lässt sich leicht auf die auftretenden Zählfehler zurückführen:

  1. Evtl. wechselten Personen ihren Laufweg von der Straße auf den Fußweg und umgekehrt, sodass sie von uns doppelt erfasst wurden.
  2. Evtl. haben sich auf den statischen Bildern der Studentengruppe mehrere Personen unter den Regenschirmen verborgen, welche auf beweglichen Bildern leichter identifizierbar gewesen wären.
  3. Auch können sich, wie bei jeder Auswertung durch Menschen, immer wieder Flüchtigkeitsfehler aufgrund mangelnder Konzentration einschleichen.

In Anbetracht der sehr sorgfältigen Arbeit der Studentengruppe "Durchgezählt" und unserer Reproduktion der Zahlen, scheinen diese Fehler aber eher minimal zu sein und wenig ins Gewicht zu fallen.

Dies führt nun zu der abschließenden Frage "Wie viele waren denn nun wirklich da?"

Betrachtet man das Video als eine gute untere Schranke, so werden es wohl sicher wenigstens 1500 Personen gewesen sein. Was nun aber eine obere Schranke anbelangt, so muss festgestellt werden, dass sich z.B. dem Liveticker der MOPO Dresden entnehmen lässt, dass es vor der Demo stark regnete. Es ließe sich nun spekulieren, dass einzelne Personen aufgrund des Wetters zwar an der Auftaktkundgebung teilnahmen, nicht aber am Demonstrationszug.

Ausgehend von der durch die Polizei geschätzten Zahl von 3000 Teilnehmern erscheint es aber wenig plausibel, dass sich 50% der Menschen - von welchen scheinbar viele in Erwartung schlechten Wetters mit Regenschirm und wetterfester Kleidung erschienen sind - wieder auf den Heimweg gemacht haben sollen.

Somit lässt sich feststellen, dass die polizeiliche Schätzung eher fragwürdig ist und sich die Auswertung von zusätzlichem Bildmaterial empfiehlt. Dazu gehören bspw. Übersichtsbilder vom Schlossplatz oder anderes Videomaterial, welches den Abmarsch des Demozuges zeigt und damit auch wie viele Menschen evtl. nicht am Demozug teilnahmen.

 

 

Disclaimer:

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2 Gedanken zu „Wie viele waren wirklich bei der 24. Pegida in Dresden?

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